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Nö. Nein. No. Ei

Auf Finnisch sagt man „Ei“ wenn man „Nein“ meint. Sehr passend zu den nahenden Ostertagen … Leider findet man die Tricks fürs Nein Sagen nicht unter den Krokussen, wie vielleicht ein Ei. Viele finden es sehr schwer, Nein zu sagen. Wie gelingt ein Nein an der richtigen Stelle?

Oh Mann, warum habe ich da „Ja“ gesagt?! Diese Frage habe ich mir schon oft gestellt. Zum Beispiel, wenn ich da saß mit einem Thema, das mir nicht lag und der Artikel schnell fertig werden sollte. Oder wenn der Vortrag eigentlich nicht mehr in meinen Terminkalender passte und ich schon beim Gedanken an die Reise Stress empfand. Oder wenn mich eine Auftraggeberin mit ins Team für ein Projekt gebeten hatte und die vielfältigen Briefings gar nicht mehr enden wollten, so dass meine Tätigkeit immer komplizierter statt klarer wurde.

Nein Sagen – eine ganz eigene Kunst

Jedes Mal sagte ich mir: Das möchte ich nicht mehr. Beim nächsten Mal, wenn eine ähnliche Anfrage kommt, dann sage ich „Nein“. Nur, um einige Wochen später wieder Ja zu sagen, auch wenn ich Nein dachte. Warum? Weil ich mein Gegenüber nicht enttäuschen wollte. Oder weil ich mir einredete, dass ich diesmal klarer kommunizieren würde und unzählige Extraschleifen verhindere. Klappte nie.

Meine Kollegin zeigt mir wie es geht

Eines Tages hörte ich meine Kollegin telefonieren. Sie sprach mit einem potenziellen Auftraggeber. Und sagte: „Vielen Dank für die Anfrage. Das ist wirklich sehr nett. Aber das ist so gar nicht mein Schwerpunkt.“ Ich hörte, wie sie sich höflich verabschiedete, auflegte und weiter arbeitete. Das war es also. Das leichtfüßige Nein. Eieiei.

Der Trick für das Nein ist, mein Ja zu kennen

Und ich erkannte den Trick: Wenn ich klar weiß WOFÜR bzw. für welche Arbeit ich stehe, dann wird automatisch klar, wofür ich NICHT stehe. Und dann wird das Abgrenzen fast selbstverständlich und damit auch das Nein.

Ich frage ja eine Wollverkäuferin auch nicht, ob sie mir vielleicht dieses Mal ein Auto verkaufen könnte, nur weil ich gerade in ihrem Laden stehe. Und wenn ich es fragen würde und sie mir kurz antwortete: „Sorry, ich bin ja Wollverkäuferin, da kann ich Ihnen mit einem Auto nicht weiter helfen“, wäre ich nicht enttäuscht, sondern verständnisvoll.

Wofür stehen Sie?

Ich wälzte also die Frage: Wofür stehe ich genau? Die Antwort brauchte eine Weile, aber nun ist sie klar: Ich stehe für das Themenfeld Stressprävention und persönliche Entwicklung. Und meine besondere Leidenschaft sind Artikel, Vorträge und Workshops, die Menschen ins Tun bringen. Interaktiv sollen meine Vorträge und Medien sein und inspirierend.

Ich bin KEINE klassische Journalistin, die auf Zuruf und unter Zeitdruck über alle denkbaren Themen schreibt. Ich bin auch KEINE Trainerin, die heute Stressprävention und morgen Teambuilding trainiert.

Das Nein Sagen fällt jetzt leichter

Seit mir bewusster ist, was mein Arbeitsfeld ist, fällt mir das Nein sehr viel leichter. Und es ist auch viel leichter geworden die eher unpassenden Anfragen mit selbstverständlichen, freundlichen Worten abzulehnen. Mein Gegenüber reagiert meist mit Verständnis. Stichwort Wolle und Auto. Oftmals empfehle ich eine andere Kollegin, die mit Kusshand genau zu diesen Anfragen „Ja“ sagt.

Der Effekt: Mein Arbeitsleben ist entspannter und ich arbeite fast immer an Projekten, die mir liegen und sowohl mich als auch die Nutzerinnen, Teilnehmenden und Auftraggeber bereichern.

Eine Frage an Sie:

Wie ist es bei Ihnen? Wissen Sie wofür Sie im Beruf stehen? Vielleicht auch, worin Sie richtig gut sind? Notieren Sie sich ein paar Stichworte. Es kann gut sein, dass es Ihnen in Zukunft leichter fällt, eine Aufgabe die im Raume steht, weiter ziehen zu lassen und sie mit einem freundlichen „Ei, das ist nichts für mich“ weiter ziehen zu lassen. Es kann durchaus sein, dass eine andere Person genau hierin eine gute Herausforderung findet.

Viel Erfolg mit Ihrem neuen Nein. Ihre Carola Kleinschmidt

PS: Alle Aufgaben im Team, die am Ende keiner übernehmen möchte, kann man ja dann gerecht unter allen aufteilen 😉

PPS: Mehr Tipps für ein gutes Nein? Finden Sie bei Instagram von mir.

Carola Kleinschmidt

Carola Kleinschmidt – Diplombiologin, Autorin, Trainerin. Trainings und Workshops, online & offline zu „Aus dem Vollen schöpfen – berufliche Neuorientierung für Erfahrene“ und „Gesünder arbeiten, besser leben."

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